WQC & Quizfestival 2026 in Fürth

Fürth also. Immer wieder Fürth. Bereits zum dritten Mal sollte eine zentrale DQV-Veranstaltung in der mittelfränkischen 130.000-Einwohnerstadt stattfinden. Nach den World Quizzing Championships 2023 und der Deutschen Quizmeisterschaft 2025 stand nun wieder die Austragung der WQC im Rahmen des Quizfestivals in der Fürther Stadthalle an. Zwei Tage rauchten die Köpfe der über 200 Teilnehmenden, die im Laufe des Wochenendes über bis zu 1000 Quizfragen brüteten. Doch der Reihe nach!

Die zentralen Quiz-Events haben ja immer auch etwas von einem Klassentreffen. Man trifft alte Freunde und Bekannte, viele davon sieht man über das Jahr hinweg ansonsten entweder gar nicht oder primär über Zoom-Kacheln bei den Online-Veranstaltungen des DQV. Dementsprechend wuselig und fröhlich ist die Grundstimmung am Samstagmorgen, als peu á peu Quizzer:innen in der Stadthalle eintrudelten. Eine Umarmung hier, ein kurzer Plausch da, ehe es schließlich in die zumindest für diese Tage heiligen Hallen des Quizsports geht. Und dort geht es ja auch gleich knackig los, denn klassischerweise wird in das Quizfestival mit der WQC gestartet.

240 Fragen, verteilt auf acht Kategorien in zwei Halbzeiten á einer Stunde. Internationaler Art, denn parallel spielen an diesem Samstag knapp 2000 Menschen in rund 50 Ländern die gleichen Fragen. Eine Weltmeisterschaft eben, die es zudem in sich hat. Nachdem das Set bereits im Vorjahr angenehmer als zuvor zu spielen war, blieb die Frage, ob sich dieser Trend fortsetzen würde. Nach Ablauf der zweistündigen Spielzeit war man zwar geistig erst einmal durch, aber der grundsätzliche Tenor dennoch mit Blick auf vergangene Austragungen positiv.

War es früher eine absolute Rarität, dass überhaupt jemand die 100-Punkte-Marke knacken konnte, schafften es diesmal gleich 56 Quizbegeisterte zu einer dreistelligen Punktzahl – und somit nochmal 20 mehr als im Vorjahr. Ganz oben zeichnete sich diesmal dabei ein ähnliches Bild wie bei der DQM im Februar. Denn an der bestechenden Form von Jannik Fellger hat sich nichts geändert, so dass er am späteren Abend den Pokal für den deutschen Sieger in die Höhe recken konnte. Mit bärenstarken 149 Punkten setzte er sich – genauso wie bei der DQM – vor Hendrik Scharpenack durch, der bei nicht minder beeindruckenden 146 Punkten landete. Felix Kreutzfeldt komplettierte das Treppchen mit 142 Punkten. Das Trio schaffte es somit auch in die Top100 weltweit, Hut ab vor dieser bemerkenswerten Leistung. Jannik wurde somit auch bester Quizzer unter 30 Jahren, den Titel für die Ü65-Wertung heimste Thomas Kinne (91 Punkte) ein. Bester Newcomer wurde Maximilian Kellerer (113 Punkte). Die deutschen Ergebnisse auf unserer Webseite findet ihr hier, zur vollständigen Übersicht aller Ergebnisse auf der Webseite der International Quizzing Association bitte diesem externen Link folgen.

Nach der harten Arbeit namens WQC stand ab dem Mittagessen am Samstag dann aber schließlich das Vergnügen an. Im Rahmen der WQC ist es mittlerweile Tradition, dass das Quizfestival mit einer Reihe von Funquizzen für Auflockerung, Spaß und einer Vielzahl an verschiedenen Formaten sorgt, bei denen auch immer wieder neue Ideen ausprobiert und umgesetzt werden.

So präsentierten am Samstag zunächst Igor Moyshenzon und René Elsner ihr „Schon mal gehört?“-Quiz, bei dem 100 Fragen im gewohnten Format des Deutschland-Cups zu absolvieren waren. Hierbei handelte es sich allerdings vor allem um allseits beliebte und bekannte Quizklassiker, die immer wieder gefragt werden. Eine coole Idee – denn dadurch konnte man sich noch einmal einen breiten Überblick über Themenfelder verschaffen, die man sich dann nun doch vielleicht mal wirklich für die Zukunft merken sollte, wenn mal wieder nach der einzigen Oper Ludwig van Beethovens oder doppelten Binnenstaaten gefragt wird. Die wenigsten dieser ärgerlichen Fehler machte Felix Kreutzfeldt, der mit sensationellen 96 von möglichen 100 Punkten die erste Gehirnzelle des Wochenendes gewann.

Ein Klassiker unter den Funquizzes ist dagegen das „Doppel-KO-Turnier“, das im Anschluss stattfand. Sarah Lang und Beatrice Schröder hatten einen bunten Mix aus Fragen vorbereitet. Da hier in den ersten Runden lediglich fünf Fragen gespielt werden, ehe eine Schätzfrage über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheidet, sind spektakuläre Favoritenstürze in den ersten Runden hier keine Seltenheit – und so wird auch diesmal der eine oder andere nicht schlecht gestaunt haben, welche hochkarätigen Doppel da bereits nach einer oder zwei Runden ihre Tische verlassen mussten. Nicht beirren ließen sich davon allerdings Jan Kostka und Oliver Fallak, die sich über sieben Runden lang schadlos hielten und am Ende den Sieg erringen konnten.

Mit dem Quizzen ging es schließlich nach Mitgliederversammlung und Siegerehrung am Abend weiter. Jonas Lord und Alexander Rochhausen hatten sich hier nämlich noch ein Teamquiz der ganz besonderen Art ausgedacht – der Name „Villa Kunterbunt“ sorgte zunächst vielleicht für viele fragende Gesichter, doch die hervorragende Organisation sorgte dafür, dass es sich beim Spielen schnell selbst erklärte. Gleich elf verschiedene Quizarten standen zur Auswahl – doch nur sieben davon durften gespielt werden. Klassisches Quizset? Sortieren? Zuordnen? Speedquiz? Hier musste klug entschieden und ein bisschen gezockt werden. Auch wenn es sehr spät wurde, waren der Ideenreichtum und die Abwechslung sicherlich eines der vielen Highlights des Wochenendes. Am erfolgreichsten schnitt dabei ein Quartett aus dem allseits bekannten Online-Liga-Team „Senat und Volk von Köln“ ab, so dass sich Jan Kostka, Heike Ollesch, Barbara Schröder und Tilman Thiry über den Sieg freuen konnten und sich offenbar bei der Auswahl der Kategorien kein Denkmal der Dummheit erlaubten. Den sehr sehr langen Quiztag sollen vereinzelte Quizzer:innen schließlich noch an der Hotelbar ausklingen lassen haben, ehe auch die letzten Hartgesottenen geschafft ins Bett fielen.

Immerhin ging es ja nur wenige Stunden später schon wieder weiter. Der Sonntag bot noch einmal ein vollgepacktes Programm. Los ging es schon fast traditionell mit dem als Doppel gespielten Bilderquiz, das diesmal aus der Feder von Sascha Karasch stammte. 60 Fragen hatte er sich gemeinsam mit seinem Berater Thomas Kinne ausgedacht, allesamt wurden visuell unterlegt und deckten dabei das ganze Spektrum der denkbaren Quiz-Kategorien ab. Zugleich war das launige Set aber auch durchaus anspruchsvoll – an die 40-Punkte-Marke kam kein einziges Team ran. Den Sieg konnten Leonard Steinhoff und Lars Lehmann erringen.

Im Anschluss stand der nächste Klassiker an – der allerdings im Umfeld des DQV eher ungewöhnlich ist. Denn Multiple-Choice-Fragen sind in den klassischen Sets eher die Seltenheit, hier hatte sich Arne Mentzendorff jedoch 80 Fragen ausgedacht, bei denen man sich jeweils für eine von vier Möglichkeiten entscheiden musste. Das Set bestach durch zahlreiche charmante Anekdoten und dem Autor war die Freude, mit der er das Set entworfen hatte, definitiv anzumerken. Am erfolgreichsten im Setzen der Kreuze war schließlich Thorsten Zirkel, der seine illustre Sammlung an Gehirnzellen wieder einmal erweitern konnte.

Noch kein Klassiker beim Quizfestival, aber immerhin zum zweiten Mal in Folge Teil des Programms war das so genannte „High Brow/Low Brow“-Quiz. Zwei Quizzer:innen spielen hier gemeinsam als Doppel, erhalten allerdings jeweils 60 unterschiedliche Fragen. „High Brow“ umfasst vor allem Themen wie Geschichte, Kunst & Kultur, Geographie oder Wissenschaft, während bei „Low Brow“ popkulturelle Themen wie Film & Fernsehen, Musik, Sport oder Lifestyle im Fokus stehen. Im Vorjahr bestand der Clou des Sets darin, dass die Antworten in beiden Sets trotz unterschiedlicher Fragen die gleichen waren. Auf dieses Gimmick verzichteten die Autoren Hendrik Scharpenack und Johannes Norrenbrock diesmal, der Idee des Formats tat das jedoch keinen Abbruch. Die beiden lehrreichen Sets wurden am erfolgreichsten gemeinsam von Moritz Schäfer (High Brow, 42,5 Punkte) und Hendrik Niebuhr (Low Brow, 40 Punkte) gelöst, die somit mit 82,5 Punkten den Sieg holten.

Geschwindigkeit und eine schnelle Auffassungsgabe waren danach beim Speedquiz gefordert. Thorsten Zirkel hatte sich 100 Fragen ausgedacht, die es in 10 Minuten zu lösen galt – eine Mammutaufgabe, denn hier braucht man auch ein flottes Handgelenk. Abkürzungen sind zudem nur selten erlaubt. Hier hatte sich Thorsten diesmal allerdings einen besonderen Kniff erlaubt – denn die Antworten waren exakt die gleichen wie bereits vor zwei Jahren, als er schon einmal ein Speedquiz geschrieben hatte. Nur die Fragen waren diesmal andere. Ob Kassandra Kokkala die Antworten von 2024 einfach auswendig gelernt hatte darf angezweifelt werden – in jedem Fall hatte sie am Ende die Nase hauchdünn vor Steffen Löwe vorn und gewann durch den Tiebreaker, nachdem sie bereits unfassbare 96 von 100 richtige Antworten innerhalb von zehn Minuten geschafft hatte.

War es das denn langsam mal mit dem Quizzen? Selbstverständlich nicht! Das stramme Programm hatte noch zwei weitere Punkte zu bieten. Sebastian Küppers hatte ein Deutschland-Quiz verfasst, das, konträr zur internationalen WQC, wirklich ausschließlich 50 Fragen beinhaltete, die einen Bezug zu Deutschland hatten. Um eine gewisse Trennschärfe zu erreichen, hatte er bereits vorab verkündet, dass das Set durchaus anspruchsvoll sein dürfte und da sollte er recht behalten. Nur wenige Quizzer:innen konnten bei den kurzweiligen Fragen die 30-Punkte-Marke knacken, Steffen Löwe erhielt für seinen Sieg allerdings nicht eine besonders dicke Kartoffel, sondern ebenfalls eine Gehirnzelle.

Für den Rausschmeißer am späten Nachmittag war schließlich Anke Mahlmeister verantwortlich. Und Rausschmeißer ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, denn wer beim „Last Quizzer Sitting“ drei falsche Antworten gibt, der fliegt raus und muss den eigenen Tisch verlassen. So leerte sich der Saal von Frage zu Frage mehr, ehe aufmerksame Beobachter:innen durchaus ein Déjà-Vu gehabt haben können. Denn wie schon 2025 saßen sich zum Schluss nur noch Sascha Nolte und Thorsten Zirkel gegenüber. Während damals Sascha triumphieren konnte, gelang Thorsten diesmal jedoch die Revanche und er durfte sich den Titel „Last Quizzer Sitting“ auf die Fahne schreiben.

Und damit hatten es wirklich alle Teilnehmenden geschafft. Das Quizfestival 2026 war geschafft – zumindest der offizielle Teil. Viele Quizzer:innen machten sich natürlich schon dann in alle Himmelsrichtungen auf den Weg in die eigene Heimat, doch wie üblich gab es auch noch einige Leute, die den Sonntagabend zum gemütlichen Zusammensitzen und Rekapitulieren des Wochenendes nutzten. Man mag es kaum glauben, aber selbst dort wurden sich noch weitere Quizfragen um die Ohren gehauen.

Abschließend bleibt „Danke“ zu sagen. Danke an die Organisator:innen, die wieder einmal ein fantastisches Event auf die Beine gestellt haben. Danke an alle Autor:innen, die für eine tolle und hochklassige Bandbreite an unterschiedlichen Sets und Formaten gesorgt haben. Unterschiedliche Formate liegen unterschiedlichen Personen und es ist einfach cool zu sehen, dass für alle Geschmäcker etwas dabei ist. Danke an alle Helfer:innen, die für einen weitestgehend reibungslosen Ablauf der zwei vollgepackten Tage gesorgt haben. Und natürlich danke an alle Teilnehmenden, die mit ihrem Enthusiasmus, ihrer Art und ihrer Freude am Quiz den Verein mit Leben füllen. Bis bald!

Hendrik Niebuhr, Juni 2026