Quizolympiade 2016 in Athen

25.02.2017 18:43 - Vanessa Engelhardt


Für das olympische Jahr 2016 hatte sich die IQA ein besonderes Event ausgedacht. Anstatt einer gewöhnlichen Quizeuropameisterschaft stand eine Quizolympiade auf dem Programm, an der auch Quizzer aus Übersee teilnehmen durften. Als erste Quizolympiade überhaupt fand sie wie bereits die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen statt. 201 Quizzer aus 26 verschiedenen Ländern nahmen daran teil, darunter auch elf Quizzer aus Deutschland. Im Vergleich zu früheren Europameisterschaften dauerte das Quizwochenende einen Tag länger, an dem neue Quizformate ausprobiert wurden, und somit vom 3. bis 6. November 2016.

Nationencup und Aspirational Cup

Den Auftakt zum langen Quizwochenende machte auch dieses Jahr wieder die Qualifikationsrunde zum Nationencup. Alle Quizzer, die nicht für ihre jeweiligen Nationalteams antraten, spielten gleichzeitig dasselbe Quiz als Qualifikation zum Aspirational Cup. Für Deutschland trat wie im Vorjahr das Team bestehend aus Sebastian Klussmann, Holger Waldenberger, Thorsten Zirkel und Manuel Hobiger an. Nach 100 Fragen lag England mit 78 Punkten deutlich in Front, dahinter folgte Belgien mit 64. Das deutsche Team landete mit 54 Punkten auf dem 9. Platz, lediglich einen Punkt hinter den sechstplatzierten Iren. Hier die Rangliste nach der Qualifikationsrunde:

Platz

Land

Punkte

1.

England

78

2.

Belgien

64

3.

Wales

63

4.

Norwegen

61

5.

Kroatien

58

6.

Irland

55

7.

Schottland

55

8.

Frankreich

55

9.

Deutschland

54

10.

Estland

53

11.

USA

52

12.

Finnland

51

13.

Australien

48

14.

Niederlande

45

15.

Dänemark

42

16.

Rumänien

39

17.

Portugal

38

18.

Österreich

32

19.

Ungarn

29

20.

Indien

18


Für die bestplatzierten vier Teams folgte dieses Jahr auf die Qualifikationsrunde eine Finalrunde. Im Spiel um Platz 3 konnte sich Norwegen gegen Wales durchsetzen. Im großen Finale zwischen England und Belgien blieben auch dieses Jahr die Engländer siegreich und setzten sich deutlich mit 99:56 durch.

Im Aspirational Cup traten auch die deutschen Teilnehmer, die nicht in der Nationalmannschaft spielten, an. Hierbei landete das Team Deutschland B (bzw. Schland), bestehend aus Marie-Louise Finck, Andy Östreich, Pascal Bothe und Dirk Vielhuber, mit 22 Punkten auf dem 27. Platz. Vanessa Engelhardt und Christoph Paninka spielten zusammen mit dem Engländer Gerard Mackay und dem Serben Todor Milak im Team Λος Κοντινηντικος (Los Kontinentikos) und belegten mit 37 Punkten den 17. Platz.

Einzelmeisterschaft

Die Einzelmeisterschaft wurde wie bei der Europameisterschaft üblich in zwei Runden ausgetragen. Die erste Runde bestand dabei aus 100 Fragen. Die zehn Bestplatzierten danach qualifizierten sich für den Finaltisch und spielten dort in 20 weiteren Fragen den Titel aus. Holger Waldenberger lag nach der ersten Runde auf dem geteilten vierten Platz und qualifizierte sich für den Finaltisch. Am Ende stand für ihn der 9. Platz zu Buche. Wie im Vorjahr setzte sich Olav Bjortomt durch. Kevin Ashman und Pat Gibson komplettierten das rein englische Podium. Sebastian Klussmann landete als zweitbester Deutscher auf dem 22. Platz.

Die Einzelergebnisse im Überblick:

 

Platz

Name

Land

Punkte ohne
Finalrunde

Punkte nach
Finalrunde

1.

​Olav Bjortomt

ENG

75

97

2.

Kevin Ashman

ENG

74

90

3.

Patrick Gibson

ENG

74

88

4.

Ronny Swiggers

BEL

70

88

5.

Raj Dhuwalia

USA

68

84

6.

Tero Kalliolevo

FIN

65

83

7.

Didier Bruyère

FRA

69

83

8.

Thomas Kolåsæter

NOR

67

81

9.

Holger Waldenberger

DEU

70

80

10.

Igor Habal

EST

70

80

 

     

22.

Sebastian Klussmann

DEU

59

 

86.

Manuel Hobiger

DEU

42

 

103.

Pascal Bothe

DEU

39

 

113.

Thorsten Zirkel

DEU

38

 

115.

Marie-Louise Finck

DEU

37

 

125.

Dirk Vielhuber

DEU

35

 

144.

Vanessa Engelhardt

DEU

32

 

146.

Andy Östreich

DEU

31

 

147.

Christoph Paninka

​DEU

31

 

172.

Annegret Schenkel

​DEU

​25

Doppelmeisterschaft

Im Doppel setzten sich Kevin Ashman und Pat Gibson (beide ENG) durch, sie hatten nach 100 Fragen 76 Punkte. Auf dem 2. Platz landeten David Stainer und Olav Bjortomt (beide ENG) mit 72 Punkten, gefolgt von Nico Pattyn (BEL) und Ed Toutant (USA) mit 71 Punkten.

Holger Waldenberger verpasste mit seiner Doppelpartnerin Dorjana Sirola (CRO) und 70 Punkten in der Endabrechnung auf Platz 5 die Medaillenränge denkbar knapp. Dirk Vielhuber quizzte sich zusammen mit dem Iren Lorcan Duff auf den 10. Platz (60 Punkte), Sebastian Klussmann und der Schotte Andy Tucker landeten auf Platz 19 (58 Punkte). Die weiteren Doppel mit deutscher Beteiligung landeten auf den Plätzen 61 (Christoph Paninka mit dem Waliser Ian Orriss; 40 Punkte), 70 (Manuel Hobiger und Thorsten Zirkel; 37 Punkte), 71 (Marie-Louise Finck und Andy Östreich; 36 Punkte) und 75 (Vanessa Engelhardt und Pascal Bothe; 35 Punkte).

Teamquiz

Im Teamquiz konnte das belgische Team Café den Hemel (Paul Arts, Chris Braxel, Nico Pattyn, Ronny Swiggers) dieses Jahr die britische Dominanz brechen. Es gewann mit 73 Punkten vor drei Teams mit 72 Punkten. Der 2. Platz ging an die Vorjahressieger Broken Hearts (Ian Bayley, Olav Bjortomt, Mark Grant, alle ENG; Didier Bruyere, FRA), der 3. Platz an Milhous Warriors (Kevin Ashman, Pat Gibson, Sean O’Neill, Tim Westcott, alle ENG). Holger Waldenberger belegte mit seinem Team Europalia (mit Dorjana Sirola, CRO, Derk de Graaf, NED, und Thomas Kolåsæter, NOR) punktgleich den undankbaren 4. Platz.

Die übrigen Teams mit deutscher Beteiligung landeten auf den folgenden Plätzen:
 

9.

Three beards and a supersub

Sebastian Klussmann, Andy Tucker (SCO), Dave McBryan (IRL), Raj Dhuwalia (USA)

54 Punkte

18.

Athension: La Owla

Manuel Hobiger, Thorsten Zirkel, Céline Marlot (FRA), Jérôme Vachet (FRA)

50 Punkte

28.

Fame

Annegret Schenkel, Maj-Britt Christensen (DEN), Frédéric Faucheux (FRA), Ed Toutant (USA)

43 Punkte

38.

Hansan Boas

Christoph Paninka, Pascal Bothe, Paul Bailey (USA), Julie Ghanbari (USA)

38 Punkte

43.

The Archie-Duchesses

Marie-Louise Finck, Vanessa Engelhardt, Andy Östreich, Dirk Vielhuber

28 Punkte

Spezialistenquiz

Der Freitag stand ganz im Zeichen der neuen Quizformate, wobei die meiste Zeit vom Spezialistenquiz in Anspruch genommen wurde. In 12 verschiedenen Themengebieten mussten jeweils 50 meist sehr anspruchsvolle Quizfragen beantwortet werden.
Die Themengebiete waren in sechs „High brow“-Gebiete (d.h. eher intellektuellere Themen: Geschichte, Literatur, Wissenschaften, Bildende Künste, Geographie und Darstellende Künste) und sechs „Populist“-Gebiete (d.h. eher populäre Themen: Sport, Wirtschaft, Neue Medien, Fernsehen, Film, Populäre Musik) eingeteilt, wobei jeweils ein „High Brow“- und ein „Populist“-Quiz parallel liefen. Jeder Quizzer musste sich also jeweils vorher überlegen, welche sechs verschiedenen Quiz er spielen wollte.
Die fünf besten Quiz gingen letzten Endes in eine Gesamtwertung ein. Wer mindestens vier „High brow“- bzw. „Populist“-Quiz gespielt hatte, nahm auch an der jeweiligen „High brow“- und „Populist“-Gesamtwertung teil, wobei jeweils die vier besten Ergebnisse eingingen.
Um die unterschiedlichen Schwierigkeiten der einzelnen Kategorien auszugleichen (zum Vergleich: In Geographie und Darstellenden Künsten waren jeweils 42 Punkte für den Sieg nötig, in Wissenschaften genügten 26 Punkte), wurden die jeweiligen Punktzahlen durch die Punktzahl des Siegers geteilt.
Auch wenn das Konzept kompliziert klingt, war das Ergebnis doch wieder ein erwartetes: Die Gesamtwertung und die „High brow“-Wertung wurden jeweils von Kevin Ashman gewonnen, der dabei auch noch gleich vier Kategoriesiege verbuchen konnte. Platz 2 und 3 in der Gesamtwertung gingen an Olav Bjortomt und Ronny Swiggers (BEL). Silber und Bronze in der „High brow“-Wertung gingen an Pat Gibson und Nico Pattyn (BEL).
In der „Populist“-Wertung ging der Gesamtsieg an den in München wohnenden Iren Lorcan Duff, gefolgt vom Niederländer Michael-Dennis Biemans und dem Rumänen Mircea Zaharia.

Deutsche Quizzer schafften es in keiner Kategorie aufs Podest, es gab jedoch drei Top-Ten-Platzierungen. Thorsten Zirkel schaffte es in Sport auf den 8. Platz, Holger Waldenberger in Wissenschaften auf den 9. Platz und Manuel Hobiger in Geographie auf den 4. Platz. Die vollständigen Ergebnisse der deutschen Teilnehmer sind hier zu finden.

Eine Nationenwertung im Spezialistenquiz gab es auch, in die jeweils das beste Ergebnis eines Quizzers des jeweiligen Landes aus jeder Kategorie einging. Hier konnte erneut England den 1. Platz belegen, vor Norwegen und Belgien. Deutschland landete hier auf Platz 13.

Speed Quiz

Das zweite neu getestete Quizformat war das eher unkonventionelle Speed Quiz. Hierbei bekam jeder Teilnehmer einen Bogen mit 80 Multiple-Choice-Fragen ausgeteilt. Nach dem Startsignal hatte man ganze zwei Minuten Zeit, um so viele Fragen wie möglich zu beantworten. Dass es in dieser Zeit unmöglich ist, alle Fragen zu beantworten, sollte jedem klar sein. Zusätzlich erschwert wurde die Sache durch Fragen mit mehreren richtigen Antworten. Die deutschen Teilnehmer rätselten bis zum Schluss, was die beste Taktik für dieses Quiz wäre. Insgesamt wurden drei Qualifikationsrunden gespielt, an denen jeder teilnehmen konnte. Die Teilnehmer mit den jeweils meisten Antworten (teilweise bis über 50!) sowie der beste Zweitplatzierte qualifizierten sich für das Finale, das durchaus spannend anzuschauen war. Gold ging an den US-Amerikaner Brandon Saunders, Silber an David Stainer (ENG), Bronze an Tanay Kothari (USA).

K.-O.-Quiz

Das letzte der neuen Quizformate war das K.-O.-Quiz. Hier wurden alle Spiele einer Runde gleichzeitig ausgetragen, wobei jede Runde aus lediglich fünf Quizfragen und einer eventuellen Stechfrage bestand. Nach mehreren Runden stand hier der Norweger Tore Heliks van Dahl als Sieger fest, Silber ging an Igor Habal aus Estland, Bronze an Shane Whitlock aus den USA.

Medaillenspiegel

Insgesamt wurden in 23 Kategorien Medaillen vergeben. Da in den Doppel- und Teamquizzen auch gemischte Teams zulässig waren, können Länder auch halbe oder gar viertel Medaillen erhalten. Am Ende ergibt sich folgender Medaillenspiegel:

Platz

Land

Gold

Silber

Bronze

gesamt

1.

England

13

9.5

7.5

30

2.

Irland

3

0

0

3

3.

Belgien

2

5

4.5

11.5

4.

Niederlande

2

1

1

4

5.

Norwegen

1

3

1

5

6.

USA

1

1

3.5

5.5

7.

Estland

1

1

3

5

8.

Kroatien

0

1

0

1

9.

Finnland

0

1

0

1

10.

Wales

0

0.25

1.25

1.5

11.

Frankreich

0

0.25

0

0.25

12.

Rumänien

0

0

1

1

13

Schottland

0

0

0.25

0.25

14.

Australien

0

0

0

0

14.

Brasilien

0

0

0

0

14.

Bulgarien

0

0

0

0

14.

Dänemark

0

0

0

0

14.

Deutschland

0

0

0

0

14.

Indien

0

0

0

0

14.

Kanada

0

0

0

0

14.

Neuseeland

0

0

0

0

14.

Österreich

0

0

0

0

14.

Portugal

0

0

0

0

14.

Russland

0

0

0

0

14.

Serbien

0

0

0

0

14.

Ungarn

0

0

0​

​0

Fazit

Für das deutsche Team gab es am Ende keine Medaillen in Athen zu gewinnen, auch wenn es einige durchaus respektable Leistungen gab. Spaß hatten die deutschen Teilnehmer bei diesem insgesamt doch recht anstrengenden Wochenende allemal und auch viel Neues dazugelernt. Unter dem Motto "Dabeisein ist alles" durfte sich zudem jeder Teilnehmer über eine Teilnehmermedaille freuen, die basierend auf den Medaillen der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit gestaltet worden war.



Die vollständigen Ergebnisse können auf der offiziellen Webseite der Quizolympiade eingesehen werden.
Nächstes Jahr wird es wieder eine gewöhnliche Europameisterschaft geben, die in Zagreb stattfinden wird.

Text: Manuel Hobiger
Fotos: Manuel Hobiger & Marie-Louise Finck